Kompetenzgesellschaft, die Sinnmacht

Kaum bemerkt und schon hat sie begonnen, sich zu etablieren, die Kompetenzgesellschaft, und dies nicht erst seit kurzem. Im Hochschulsektor hat die Bologna-Reform frühzeitig Grundlagen gelegt, wobei zu Kompetenzen im Hochschulbereich weiterhin intensiv geforscht wird (Baumert et al., 2014)(Zlatkin-Troitschanskaia et al., 2016) und durchaus auch Kritik festzustellen ist (Tenberg, 2014). Aktuell wird die Diskussion zu Kompetenzen durch die Entwicklungen rund um Digitalisierung und Industrie 4.0 beflügelt (acatech 2016)(BSB, Keuffer, 2016)(acatech, IML, equeo, 2016)(Deckert, 2016a)(Sauter, 2016)(Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 2016a/b)(WEF, 2016a/b/c/d). Für Industrie 4.0 – als aus dem Jahr 2011 stammender Ausdruck (BMBF, 2016) – können vor allem die Begriffe Digitalisierung, Vernetzung und Intelligenz als prägend gelten (Lübbecke, 2016). Mit dem Begriff Digitalisierung sind seit der erstmaligen schriftlichen Erwähnung des bit (binary digit) bei Shannon (1948) weitreichende techn(olog)ische Entwicklungen verknüpft. Für Vernetzung sind sicherlich die Entwicklungen rund um das Internet und zukünftig verstärkt insbesondere das Internet der Dinge (Myers, 2016) prägend, die Sichtweise einer Vernetzung von unbelebter und belebter Materie (vgl. www.bildung-beruf-studium.de/industrie-4-0/) kann für das Verständnis generell hilfreich sein (Deckert, 2016b) und der Connectivism (Siemens, 2005) als aufkommende Lerntheorie (Campbell, Schwier 2014) liefert beachtenswerte theoretische Überlegungen. Mit dem dritten die Industrie 4.0 charakterisierenden Begriff der Intelligenz führen die Gedanken hin zur Verbindung menschlicher und künstlicher Intelligenz, wobei Industrie 4.0 nach Schwab (2016) eben gerade durch “Cyber-physical systems” charakterisiert ist, und Anfang 2017 bietet die Columbia University gemeinsam mit edX einen Kurs “The Future is Artificial Intelligence” an (Elliott, 2017). Künstliche Neuronale Netze werden heute bereits mit Methoden in Anlehnung an das Methodenspektrum der Biologie ‘seziert’ und es zeigt sich ein spannendes Feld mit vielen offenen Fragen insbesondere im Spannungsfeld der Korrektheit/Genauigkeit und Interpretierbarkeit der Lösungen von Methoden künstlicher Intelligenz (Bornstein, 2016). Zwar wurde dieser Absatz gedanklich von Industrie 4.0 aus entwickelt, zugleich ist es wichtig zu erkennen, dass die angesprochenen Entwicklungen auch anders sortiert werden können: So befreite die “Industrielle Revolution” die Menschheit zu einem gewissen Grad von physischer Mühsal, während Künstliche Intelligenz (bzw. die Verknüpfung menschlicher und künstlicher Intelligenz) das Potential hat, die Menschheit von mentaler Mühsal zu befreien, wie sich mit Rückgriff auf Andrew in oben angesprochenem Kurs findet (Elliott, 2017), womit eine Art “Intelligenzrevolution” bevorstehen könnte, für die – in dieser Sicht und dies vorangestellt – Digitalisierung und Vernetzung unterstützend wirken. Hierbei geht es dann vor allem auch um die Verbindung von menschlicher und künstlicher Intelligenz in der Zukunft. Künstliche Intelligenz setzt auf einer Entwicklung auf, die dazu geführt hat, dass heute viele Disziplinen beitragen: Philosophie, Mathematik, Ökonomie, Neurowissenschaften, Psychologie, Informatik, Kontrolltheorie und Kybernetik sowie Linguistik (Elliott, 2017). Es ist sicherlich richtig, sich auch der Risiken und Grenzen künstlicher Intelligenz bewusst zu sein, über die sich beispielsweise bei Brynjolfsson und McAfee (2017) nachlesen lässt (vgl. Quellen zum Ende des Beitrags).

Einführend erwähnenswert erscheint zudem, dass ohne moderne Informationstechnologie wichtige Erkenntnisse zu komplexen Handlungsfeldern wie beispielsweise dem Klimawandel (IPCC, 2014a) als eine der Großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit (Wissenschaftsrat, 2015) in der vorliegenden Form heute nicht gegeben wären. Zugleich steht unsere Demokratie – folgt man Helbing et al. (2017) – im Zusammenhang mit Big Data und Künstlicher Intelligenz vor grundlegenden Herausforderungen und – folgt man Marin (2017) – sind ausgehend von Überlegungen zum Verhältnis von Arbeit und Kapital Reformen notwendig.

Wodurch werden die in den kommenden Jahrzehnten vor uns liegenden Veränderungen gekennzeichnet sein?

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Bei jedweden Überlegungen mit Blick auf die Zukunft begibt man sich auf ein ‘Terrain des Ungefähren’. Keiner kann wohl die Zukunft sicher voraussagen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich vielfältige Quellen anzusehen:

  • Es liegen Große gesellschaftliche Herausforderungen vor uns (Wissenschaftsrat, 2015); im Einzelnen insbesondere nachzulesen in der angegebenen Quelle. Wir leben an der Schwelle zum Zeitalter des Anthropozäns, in dem Menschen die biologischen und auch bereits die geologischen Gegebenheiten und Dynamiken auf dem Planeten Erde entscheidend prägen und in dem anstelle und/oder neben Biomen schon von Anthromen gesprochen wird (Leinfelder, 2016). Es ist davon auszugehen, dass der Mensch den Klimawandel verursacht hat (IPCC, 2014a)(IPCC, 2014b) und die UN-Klimakonferenzen COP21/Paris und COP22/Marrakesch weisen einen Weg zu notwendigen Veränderungen: http://newsroom.unfccc.int/. Die Sustainable Development Goals (SDG) – vgl. https://sustainabledevelopment.un.org/sdgs – liegen der zu Beginn 2017 verabschiedeten Neuauflage 2016 der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu Grunde. Ein kurzer Abriss zu in diesem Zusammenhang historisch wichtigen Ereignissen hierzu findet sich in Form von Frage 1 in diesem QUIZhttps://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSfy5ncQTkBekM2dpuBOfEZIfoqPf-Q9_QFkGSRrlTgwyIL8oA/viewform. Anzumerken ist hier, dass der Einfluss von Digitalisierung – bei allen Potenzialen wie beispielsweise der Nutzung von Smart Technology für Energiesparen – auf diesen Problemkomplex durchaus auch kritisch beurteilt wird (Paech, 2017).
  • Es werden heute neue Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens gedacht, die regional und kollaborativ geprägt sind, insoweit Zweifel bestehen, dass eine auf stetiges Wachstum und auf die Verbindung von Produktivitätssteigerung, Innovation und Wettbewerb geeichte Wirtschaft langfristig einen zukunftfähigen Zustand hervorbringt (Paech, 2017)(Rifkin, 2014). Zugleich wird aber auch das Wachstumsparadigma vertreten wie beispielsweise von Schwab (2017) als eine der “Five leadership priorities for 2017”. Die Ökonomik weist nicht erst seit heute eine Vielfalt an Theorieschulen auf (vgl. je nach Interesse auch https://www.exploring-economics.com/de/orientieren/) und es werden sehr grundlegende Fragen gestellt wie beispielsweise “What Money Can’t Buy: The Moral Limits of Markets” von Michael Sandel:

  • Nach Erkenntnissen, die beim World Economic Forum in die Überlegungen einbezogen werden, könnten 65% der Schulkinder, die heute in die Grundschule kommen, später in Jobs arbeiten, die heute noch nicht existieren (WEF, 2016d). Es gibt Modellrechnungen, nach denen in den kommenden Jahrzehnten durch die technologische Entwicklung ungefähr die Hälfte der Arbeitsplätze so, wie diese sich heute darstellen, entfallen könnten (Bowles, 2014)(Sauter, 2016), wobei mindestens eine aktuelle Studie davon ausgeht, dass im OECD-Durchschnitt mehr als 50% der Arbeitsplätze durch Automation gefährdet sind (Price, 2016). Einer OECD-Studie aus 2016 (vgl. http://dx.doi.org/10.1787/5jlz9h56dvq7-en) zufolge wird hinsichtlich Automatisierbarkeit der “Share of People at High Risk” für Deutschland mit 12% angegeben (bei mittlerer Automatisierbarkeit von 43% insgesamt) und im Diskussionsentwurf zum Weißbuch Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales liest man: “Infolge des technologischen und wirtschaftlichen Wandels wird es keine massenhafte Automatisierung von Arbeitsplätzen geben” [Hervorhebung ergänzt] (BMAS, 2016). Folgt man Prof. Dr. Thomas Straubhaar auf seinem Vortrag zu Beginn des Jahres 2017 auf dem Neujahrsempfang des Club of Hamburg (www.clubofhamburg.de), so wird die gesellschaftliche Entwicklung nach der Globalisierung vor allem auch durch die Digitalisierung geprägt. Wer etwas über die eng hiermit verbundenen Entwicklungen zur künstlichen Intelligenz lernen möchte, kann sich beispielsweise hier umsehen http://videolectures.net/Top/Computer_Science/Artificial_Intelligence/, oder hier https://obamawhitehouse.archives.gov/sites/default/files/whitehouse_files/microsites/ostp/NSTC/preparing_for_the_future_of_ai.pdf oder hier http://www.turingarchive.org/browse.php/B/9 (historisch) oder hier https://www.youtube.com/watch?v=aygSMgK3BEM (historisch).
  • Wir sind auf dem Weg von der Informations- und Wissens- zur Kompetenzgesellschaft (Sauter, 2015), wobei die großen Fragen und Probleme unserer Zeit wohl erst mit den richtigen Zielen (Deckert, 2006) und gegebenfalls erst in einer Art Sinngesellschaft, in der Vernunft einen hohen Stellenwert hat, gelöst werden können. Damit finden hier vielfältige Überlegungen Anschluss wie beispielsweise von Renn (2014) zur Risikowahrnehmung und Risikomündigkeit, von Schmitt (2012, 2014) zu Sinn, Innovation, sInnovation, Klugheit und Werten sowie von Deckert (2006, 2016c) zu Nachhaltigkeit und zu Zielen auch im Kontext von Sinn im Verständnis von Luhmann (1968, S. 120 f.). Dabei ist von der Idee her Lebenslanges Lernen – Lifelong Learning (Kallen, Bengtsson, 1973) – heute eine Selbstverständlichkeit und es wird vor allem auch integriert in unsere Lebensbereiche gelernt – Lifewide Learning, “life-wide learner” (Campbell, Schwier, 2014, S. 364) -, wobei diese Sichtweise auch durch Überlegungen im Zusammenhang mit dem Connectivism gestützt wird und hier insbesondere mit Blick auf die Pflege und Erhaltung von Verbindungen zwecks kontinuierlichem Lernen und mit Blick auf das Verständnis, dass Entscheidungsprozesse Lernprozesse sind (Siemens, 2005).
  • Auf Seiten von Unternehmen ist – vor dem Hintergrund von fortschreitender Digitalisierung/Technologisierung – von großer Macht und Verantwortung für eine florierende und widerstandsfähige Welt auszugehen (Winston, 2016). Parmar und Freeman (2016) gehen von der Notwendigkeit einer verbesserten Kommunikation über Zweck, Ethik und Werte einer stärker technologisierten Welt aus. Künstliche Intelligenz ist mit ethischen Fragestellungen verknüpft (Bossmann, 2016). Es könnte sich ein Wandel von Hierarchien in Richtung von Marktmechanismen ereignen (McGrath, 2016)(Westermann, 2016), der zum Wohle von Menschen weise und mit Herz gestaltet werden sollte (Westermann, 2016).
  • Im Hochschulsektor in Deutschland finden sich bspw. unter www.hochschulforumdigitalisierung.de umfassende Aktivitäten zur Digitalisierung, es entstehen neue Hochschulkonzepte wie dieses www.minerva.kgi.edu oder dieses www.hamburger-fh.de & bit.ly/HFH_QUIZ (bereits seit 1998) mit hohem Innovationpotenzial (vgl. https://www.igjam.eu/jams/igjam-11-feat-hamburger-fern-hochschule/, https://www.hamburger-fh.de/statistik-app/) und es gibt bereits Schulausbildung im Klassenraum mit Tablet-PC’s (vgl. www.villawewersbusch.de).
  • Vielleicht liegen die Autoren einer unter https://www.welt.de/kmpkt/article166416327/So-soll-sich-unser-Leben-bis-2030-veraendern.html kommentierten Studie richtig, die fünf Metatrends für die kommenden Jahre mit den Begriffen Algorithmisierung, Verwertung, Gestaltung, Fragmentierung und Re-Lokalisierung betiteln.

Es zeigen sich hier mögliche Perspektiven, die durchaus nachdenklich stimmen. Für einen vorsichtigen und vorausschauend umsichtigen Umgang mit diesen Perspektiven kann es sich anbieten, sich über die eigenen Kompetenzen und deren Förderung Gedanken zu machen und auf dieser Basis ins Handeln zu kommen, um sich persönlich auf die Zukunft vorzubereiten.

Welche Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen werden zukünftig voraussichtlich wichtiger werden?

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In vielen der bereits aufgeführten und in weiteren Quellen finden sich Hinweise auf folgende Beispiele für in einer zunehmend technologisierten Welt zukünftig bedeutsame oder bedeutsamere Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen:

  • Grundlegende Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in Bereichen wie
    • Lesen,
    • Schreiben,
    • Mathematik,
    • Wissenschaftliches Arbeiten,
    • Information / Kommunikation / Technologie,
    • Finanzen und
    • Kultur / Zivilgesellschaft
      (WEF, 2015)(WEF, 2016c)
  • Kompetenzen wie
    • Kritisches Denken/Problemlösungsfähigkeiten,
    • Kreativität,
    • Kommunikation,
    • Zusammenarbeit
      (WEF, 2015)(WEF, 2016c),
      wobei insbesondere Problemlösungsfähigkeiten zur Lösung komplexer Probleme – bzw. von ‘wicked problems’ (Mason, Mitroff, 2014)(de Wit, Meyer, 2014)(Rittel, 1972) – im Rahmen Großer gesellschaftlicher Herausforderungen (Wissenschaftsrat, 2015) notwendig sind
  • Kompetenzen verbunden mit
    • virtuellen Teams, generationenübergreifender Zusammenarbeit, dem Umgang mit schnellen Wissensflüssen zwischen Einheiten sowie hiermit eingehender Komplexität (Gratton, 2016),
    • dem Einsatz ‘elektronischer Arbeiter’ (“elektronic workers”, “managing the bots”) (O’Reilly, 2016), ‘digitalen Kollegen’ (Tarafdar, 2016), computerunterstützter kooperativer Arbeit (Varian, 2016) und der tagtäglichen Nutzung künstlicher Intelligenz (Moore, 2016)(Hoffman, 2016)(Rometty, 2016)(Davenport, 2016),
    • dem Umgang mit offenen Kommunikationsumgebungen, die insbesondere auch Geduld und eine ‘dicke Haut’ (“thick skin”) (Turco, 2016) erfordern können,
    • komplexen Konfigurationen und der Bereitstellung komplexer Erfahrungen (McGrath, 2016) sowie
    • neuen Möglichkeiten für kreative Prozesse (Austin, 2016)
  • Kompetenzen in den Bereichen
    • Technologie/Daten,
    • Prozesse/Kunden,
    • Infrastruktur/Organisation
      (acatech, IML, equeo, 2016)
  • Kompetenzen
    • zur Teilhabe in der Gesellschaft (Citizenship) und in der Arbeitswelt (employability) (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 2016b),
    • zur Wahrnehmung und Wahrung informationaler Selbstbestimmung (Helbing et al., 2017),
    • zur Inklusion, Stärkung kollektiven Nutzens sowie “bridging social capital” (Al-Burairi, 2017),
    • zur Verbindung von Agilität und Konsistenz (Coleman, 2017)

Es zeigt sich hiermit insgesamt ein umfassendes Spektrum an herkömmlichen und gänzlich neuen Anforderungen, denen sich gegebenenfalls zukünftig viele Menschen mehr oder weniger stellen müssen. Es finden sich auch weitere Ansätze wie beispielsweise “8 digital life skills” (Digital citizen identity, Screen time management, Cyberbullying management, Cybersecurity management, Privacy management, Critical thinking, Digital footprints, Digital empathy) (WEF, 2016d). Ebenfalls technologisch/technisch geprägt sind die folgenden bei Smith (2017) auf Basis von Daten aus LinkedIn für 2017 als wichtig erachteten “skills”:

  • Cloud and Distributed Computing
  • Statistical Analysis and Data Mining
  • Web Architecture and Development Framework
  • Middleware and Integration Software
  • User Interface Design
  • Network and Information Security
  • Mobile Development
  • Data Presentation
  • SEO/SEM Marketing
  • Storage Systems and Management

Es bilden sich neue Standards wie die sieben Kriterien von ZVEI (2016), mit dem Potenzial bei aller Komplexität Orientierung zu bieten. Außerhalb von Technologie/Technik werden zudem charakterliche Ausprägungen wie Neugier, Initiative, Ausdauer/Charakterstärke/Mut, Anpassungsfähigkeit, Führungsfähigkeit sowie soziale und kulturelle Achtsamkeit für wertvoll erachtet (WEF, 2015)(WEF, 2016c) und Scharmer (2016) rät in dieser Zeit zu Neugier, Mitgefühl und Mut. Insbesondere Kommunikation und Zusammenarbeit kann hierbei – nach obigen Ausführungen – eine nicht geringe Bedeutung zugeschrieben werden, womit man sich beispielsweise auch einmal vor Augen führen kann, welche sozialen Fähigkeiten zum Lernen (“social skills […] foundational to human development”) wir von Kindesbeinen an nutzen: Imitation, geteilte Aufmerksamkeit (“Shared Attention”), Empathy und soziale Emotionen (Meltzoff et al., 2009). Gibt es etwas wie “Digital Future of Management” (Michelmann et al., 2016) und welche Charakteristika werden sich hierfür ausmachen lassen? Die Erörterungen von Michelmann et al. (2016), von denen die Zitate in nachfolgender Abbildung stammen, bieten Hinweise hierzu.

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Mit einem Teil dieser Überlegungen verbinden sich insbesondere auch Hinweise zu methodischen Ansätzen, mit denen einige dieser Kompetenzen gefördert werden können (acatech, IML, equeo, 2016)(WEF, 2016d). Überlegungen und Ansätze zu innovativen Lehr-/Lernmethoden im Kontext von Digitalisierung finden sich insbesondere unter www.hochschulforumdigitalisierung.de, www.stifterverband.org/curriculum-4-0 und www.hamburger-fh.de/statistik-app/. Es steht die Frage im Raum, was nach den unter https://www.openeducationeuropa.eu/en/blogs/five-innovations-transformed-education-and-one-hasnt-happened-yet benannten Innovationen wie beispielsweise

  • Alphabetisierung (v.Chr.)
  • Buchdruck (15. Jh.)
  • Fernlernen (19. Jh.)
  • Internet (20. Jh.)

die nächste Innovation in der Bildung charakterisiert. Spannende Perspektiven geben beispielsweise Sharples et al. (2016) mit folgenden zehn Bereichen für Innovationen:

  • Learning through social media
  • Productive failure
  • Teachback
  • Design thinking
  • Learning from the crowd
  • Learning through video games
  • Formative analytics
  • Learning for the future
  • Translanguaging
  • Blockchain for learning

sowie Brown, Dehoney und Millichap (2015) mit ihrer Charakterisierung eines Next Generation Digital Learning Environment (NGDLE). Fragestellungen beispielsweise auch zur Entstehung bzw. Erschaffung von Wert in Communities/Netzwerken werden relevant (Wenger, Trayner, Laat, 2011). Forschungsseitig zeigt sich im Kontext von Nachhaltigkeit insbesondere eine transdisziplinäre Sichtweise (Waag, 2012) (Dubielzig & Schaltegger, 2004) (WBGU, 1996). Mit dem Einbezug unterschiedlicher Disziplinen verbindet sich insbesondere auch der Vorteil, dass man nicht auf die Denkansätze einzelner Disziplinen allein angewiesen ist, die jeweils zeitweise auch mal weniger produktiv sein können, wie Schneidewind, der für eine transformative Wissenschaft wirbt (Schneidewind, 2016a), dies am Beispiel der Wirtschaftswissenschaft beschreibt (Schneidewind, 2016b). Im Kontext von Digitalisierung ist insbesondere auch der Hinweis hilfreich, dass die Wirtschaftsinformatik auch eine gestaltungsorientierte Forschungsperspektive umfasst (Leimeister, 2015), und ein disziplinübergreifender Ansatz könnte beispielsweise auch „practice based research“ (Hook 2016: o.S.) aus Design-Perspektive und Design Thinking (Lindberg, 2013) einbeziehen. Wie die Meldung im Merton-Magazin des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft unter https://merton-magazin.de/forschen-was-das-zeug-haelt andeutet, beflügelt die Digitalisierung klassische Branchen. Forschung kann unmittelbar mit einer dynamischen Entwicklung in der Praxis verbunden erfolgen, wie das Beispiel der Initions AG (www.initions.com) zeigt, die durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit “Innovativ durch Forschung” ausgezeichnet wurde (vgl. https://www.initions.com/2016/09/16/initions-ag-erhaelt-guetesiegel-innovativ-durch-forschung/).

Der Begriff Kompetenzgesellschaft ist als zusammenfassender Begriff für die hier aufgezeigten Überlegungen meines Erachtens angemessen und nimmt uns – mehr als Begriffe wie Informationsgesellschaft oder Wissensgesellschaft – in die Pflicht, uns wirksam um unsere Kompetenzen zu kümmern. In diesem Verständnis ist es die Kompetenzgesellschaft, die für das große Ganze gedacht und für jeden einzelnen von uns Sinnmacht. Jeder einzelne kann und sollte bei sich selbst beginnen und stetig an sich arbeiten. Der Begriff der Kompetenzgesellschaft weist nach Sauter (2015) auf die “Befähigung […] selbstbestimmt, selbstorganisiert, kreativ und innovativ zu handeln” hin. Fragestellungen rund um die Notwendigkeit zur Lösung bestimmter Probleme beispielsweise verbunden mit Großen gesellschaftlichen Herausforderungen (Wissenschaftsrat, 2015) sind hier nicht umfasst, wozu sich eher der Begriff der Sinngesellschaft anbietet, auf den oben bereits hingewiesen wurde. Die Situation auf dem Planeten Erde erfordert es vor allem auch, dass wir uns nicht nur für uns selber, sondern verstärkt auch für übergeordnete ökologische und soziale Ziele einsetzen, wobei es insgesamt stets um eine Balance ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte geht (Pufe, 2014). Hierfür können insbesondere auch Strategien notwendig sein dazu, wie man mit Menschen umgeht, die zu allererst nur an sich (und eben nicht an das große Ganze oder an andere Menschen) denken und dann auch so handeln, dass es anderen Menschen über alle Maßen nicht guttut, wie sich dies beispielsweise bei Schüler-Lubienetzki und Lubienetzki (2015) beschrieben findet (plakativ gewähltes Stichwort hier: “toxisches” Verhalten). Zudem sind Kompetenzen für den Aufbau sozialer Innovationen wie beispielsweise www.haendefuerkinder.de – wissenschaftlich evaluiert durch Langer und Frei (2016) – wichtig. Das Aufzeigen von (zunächst auch weniger offensichtlichen) Zusammenhängen wie diesen ist auch ein Ausdruck von Connectivism, der insbesondere das Prinzip “Ability to see connections between fields, ideas, and concepts is a core skill” (Siemens, 2005: o.S.) umfasst. An dieser Stelle können die folgenden drei Zitate zum Weiterdenken anregen:

The goals of educators and institutions vary, but share a common core: to enable students to grow as human beings, to master the topics they are learning, to enjoy and appreciate these topics, and to learn to apply them in life for enjoyment and for a livelihood.” (Willcox, Sarma, Lippel 2016: 2)

The traditional distance education student who needs to juggle various job and family commitments is moving from the back door into the mainstream.” (Stöter, Zawacki-Richter, Prümmer 2014: 446)

What‘s being born is less clear. It‘s a future that requires us to connect with a deeper level of our humanity, to discover who we really are and who we want to be as a society. How can we build the capacity to sense and actualize a future that we feel is possible, we know is possible, but that isn‘t quite there yet.“ (Scharmer 2014: o. S.)

Denken schafft Glücksmomente, jede gewonnene Großeinsicht gleicht einer vollendeten Gipfelerfahrung, jeder gelungene Einblick ist ein kleines Feuerwerk auf der Großhirnrinde. […] Denken ist die Kernkompetenz des Menschen. Die Bildung, die ihr zugrunde liegt, ist die Grundvoraussetzung für Allgemeinbildung.h“ (Hesse 2013: 12, 15)

„There is a level of sense-making that only a human strategist is capable of – at least for now.“ (Davenport 2016: 23)

Welche Stärken können uns erfolgreich in die Zukunft führen?

Vor dem Hintergrund auch obiger Überlegungen und nachfolgend angegebener Quellen ist diese Übersicht mit 40 Stärkenfeldern aufgeteilt nach 10 Bereichen entstanden:

Diese Übersicht soll hier am Ende des Beitrags für sich sprechen, wobei allein herausgehoben werden soll, dass mit “Alltagsweisheit” (rechts oben in der Abbildung) auch Fragestellungen dazu Anschluss finden, was uns glücklich macht. Hier mögen Gedanken wie vom CEO des Kopenhagener Instituts für Glücksforschung, Meik Wiking (2016), in seinem Buch HYGGE – Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht anschlussfähig sein ebenso wie ganz andere Gedanken zum Glück im Alltag. In diesem Zusammenhang erscheint die Veröffentlichung des WORLD HAPPINES REPORT 2017 (vgl. https://docs.wixstatic.com/ugd/928487_b4b6b2632eab42758a6cacb535ed779a.pdf) erwähnenswert.

Folgende Quellen haben zur letzten Übersicht “Stärken, individuelle Natur” oben einen Beitrag geleistet:

Ebenso empfehlen sich viele der nachfolgenden Quellen (bei ‘Klick’ auf “continue reading” unten), die größtenteils online zugänglich sind, für eine vertiefende Auseinandersetzung. Dies mit den besten Wünschen zu einem erfolgreichen Jahr 2017.

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Hier nun kann am Ende vor der Nennung der Quellen noch eine Selbsteinschätzung vorgenommen werden:

 

Quellen

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